OMV Aktie
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04.12.2017

Die OMV Aktie: 30 Börsenjahre – 2.000 Prozent Rendite

Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1987, hat die OMV Aktie zum ersten Mal Börsenluft geschnuppert. Und das für einen stolzen Preis von 4.400 Schilling. Wie er sich seitdem entwickelt hat, verraten wir später. Vorher kommen ein paar Zeitzeugen zu Wort.

Dem Schwarzen Montag zum Trotz

Die Rahmenbedingungen waren alles andere als vielversprechend. Nur knapp zwei Monate vor dem geplanten Börsengang der OMV hat der „Schwarze Montag“ die Erwartungen mehr als gedämpft. Der Dow-Jones-Index in New York gab an diesem Tag mehr als 22 Prozent nach und auch die Wiener Börse blieb nicht verschont, auch wenn sie mit 13,4 Prozent Kursverlust bis Ende Oktober im Vergleich fast glimpflich davon kam. In Folge dieser Unruhe kamen damals geplante Privatisierungen in einigen Ländern zum Stocken. Einige Börsengänge fielen sehr schlecht aus, andere wurden gänzlich abgesagt. Und auch der Börsengang der OMV war in Gefahr abgesagt oder verschoben zu werden.

Wie sich herausstellte, sollten die Verantwortlichen ein gutes Händchen beweisen, als sie am 12. November dennoch beschlossen, 300.000 OMV Aktien zu einem Emissionspreis von 4.400 Schilling an der Börse zu platzieren. Das war zwar weniger als ursprünglich geplant, war mit rund 1,3 Milliarden Schilling aber immer noch die mit Abstand größte Transaktion in Österreich.

So kam es, dass am 3. Dezember 1987 in der Wiener Börse der erste OMV Kurs von 4.400 Schilling angeschrieben wurde. „Damals hat man das noch mit Kreide auf die Tafel geschrieben“, schmunzelt Franz Kubik heute. Als Projektverantwortlicher der Lead-Bank Creditanstalt-Bankverein war er live dabei. Der Schlusskurs an dem Tag belief sich übrigens auf 4.450 Schilling, und damit war man angesichts der Umstände mehr als zufrieden. Knapp eine Woche später, am 9. Dezember 1987 wurde die OMV Aktie auch an der Börse Frankfurt und der Börse München platziert.

OMV Aktie - Franz Kubik

"Nicht nur, dass es für mich der erste große österreichische Börsengang war, den ich begleiten durfte - es war Neuland für alle von uns. Immerhin handelte es sich um die erste Privatisierung in Österreich."

Franz Kubik

ehemals Projektverantwortlicher der Lead-Bank Creditanstalt-Bankverein

Die perfekte Braut

Das eigentliche Projekt begann aber schon Monate davor. Wolfgang Baumann, damals als Rechtskonsulent bei der OMV tätig, erinnert sich zurück, wie alles begann: „Die damalige Finanzdirektorin, Frau Schaumayer, hat mich eines Morgens angerufen und gesagt: Herr Doktor, es ist gerade niemand anderer aus der Rechtabteilung da, bitte kommen Sie in mein Büro.“

Dort wurde dem Team eröffnet, dass der damalige Alleineigentümer ÖIAG eine Privatisierung der OMV (damals noch ÖMV) anstrebt und einen Teil ihrer OMV Anteile an der Börse verkaufen will. Diese Nachricht kam nicht überraschend – die politische Entscheidung zur Privatisierung mehrerer österreichischer Unternehmen war schon Anfang 1987 im Rahmen der Regierungsbildung gefallen.

Nun galt es, die OMV „an den Investor“ zu bringen. Was folgte war akribische Projektarbeit: es wurden Rechtsgutachten eingeholt, Marketingmaßnahmen entwickelt, Börsenplätze definiert, Pressekonferenzen und Roadshows organisiert und technische Details verhandelt. „Nicht nur, dass es für mich der erste große österreichische Börsengang war, den ich begleiten durfte – es war Neuland für alle von uns. Immerhin handelte es sich um die erste Privatisierung in Österreich. Man konnte sich zwar an Beispielen aus Großbritannien oder Frankreich orientieren, aber viele der Rahmenbedingungen waren sehr flexibel und gerade das war auch das Spannende,“ erklärt Franz Kubik.

„Jetzt können Sie endlich ÖMV-Aktionär werden“

Sehr bald war klar, dass man in Österreich neben den institutionellen Anlegern gezielt auch Kleinaktionäre ansprechen wollte. Es wurde eine große Werbekampagne ins Leben gerufen, die gezielt den Investor von der Straße ansprechen sollte.

In Fernsehen, Radio und Zeitung, überall wurde damit geworben, dass nun jedermann und jedefrau OMV Aktionär werden konnte. Es gab sogar eine eigene Telefon-Hotline für Interessenten. Franz Kubik erzählt: „Ganz Österreich war damals mit OMV Plakaten gepflastert, man ging einfach werben.“ Und das mit Erfolg: Es gab reges Interesse, nicht nur ÖIAG, OMV, Regierung und Medien beschäftigten sich seit Wochen mit dem Thema. Auch halb Österreich hat sich mittlerweile damit auseinander gesetzt, was es bedeuten könnte OMV Aktionär zu werden – so auch die OMV Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: Jeder von ihnen erhielt 5 Stück Bezugsscheine. „Es herrschte reger Handel mit diesen Bezugsscheinen, die Mitarbeiter konnten sie untereinander tauschen oder weiterverkaufen und damit das Recht erwerben, Aktien zu kaufen. Das war wie eine Vorstufe zum echten Aktienhandel,“ erzählt Wolfgang Baumann.

Die Zeichnungsfrist begann am 16. November und musste aufgrund der großen Nachfrage schon nach drei Tagen vorzeitig beenden werden. Franz Kubik erinnert sich: „Es war ein Run auf die Aktie, sowas hat es davor ja noch nicht gegeben. Es war die erste Privatisierung in Österreich und entsprechend groß war das Interesse.“ Rund 30.000 Kleinaktionäre haben damals die OMV Aktie gezeichnet, für das kleine Österreich eine enorme Zahl.

OMV Aktie - Wolfgang Baumann

"Für mich war das Besondere am Börsengang real zu erleben was eine Aktie ist und wie sie überhaupt entsteht – mit allen Zwischenstufen. Bei einem Börsengang dabei zu sein, das erlebt man nicht jeden Tag. Das war schon eine spannende Zeit."

Wolfgang Baumann

ehemals Rechtskonsulent bei der OMV Aktiengesellschaft

Die OMV Aktie: Erfolg auf allen Ebenen

Insgesamt hat der OMV Börsengang der ÖIAG – und damit dem österreichischen Staat – damals Verkaufserlöse von 1,3 Milliarden Schilling eingebracht. Und das, obwohl man sich nach den Börsenabstürzen rund um den Schwarzen Montag darauf geeinigt hatte, statt der ursprünglich geplanten 25 Prozent, nur 15 Prozent zu verkaufen.

Aber auch für die Anleger war der Börsengang der OMV kein schlechtes Geschäft: Wer 1987 OMV Aktien gekauft hat, der hat es gut. Vorausgesetzt er hat sie bis heute behalten. Denn seit dem Börsengang vor 30 Jahren hat sich der Kurswert der OMV Aktie versechzehnfacht. Dividenden noch gar nicht mit eingerechnet.

Ein kleines Rechenbeispiel: Der bereinigte Aktienwert vor 30 Jahren betrug rund 3,20 Euro. Heute liegt die OMV Aktie bei 52,30 Euro (Schlusskurs 01.12.2017). Der Kursgewinn beträgt somit ca. 49,10 Euro. Hat man damals ein Stück gekauft und dieses über all die Jahre behalten, hat man zusätzlich Dividenden von 17,08 Euro generiert. Kursgewinn und Dividenden entsprechen einer Rendite von … Was schätzen Sie? Bei 2.068 Prozent. Zugegebenermaßen vor Steuer – kann sich aber trotzdem sehen lassen. Damit hat die OMV Aktie auch die Entwicklung des ATX weit übertroffen, wie man in der folgenden Grafik erkennen kann:

 

Auf die nächsten 30 Jahre

Und wie hat die OMV selbst seitdem vom Börsengang profitiert? Eines ist sicher, das Unternehmen ist in den letzten drei Jahrzehnten gewachsen. Nicht nur der Aktienkurs der OMV ist in den 30 Jahren um einiges gestiegen, auch andere wichtige Kennzahlen haben sich seitdem beträchtlich verändert. Umsatz, Bilanzsumme, Marktkapitalisierung und Mitarbeiterzahl haben sich positiv entwickelt. Ein interessantes Detail am Rande: Auch der Umfang des OMV Geschäftsberichtes hat sich erheblich gesteigert. Kam man vor 30 Jahren noch mit 60 Seiten aus, so umfasste der OMV Geschäftsbericht 2016 bereits stolze 232 Seiten. Und das ist auch nicht verwunderlich, hat die OMV doch aufgrund ihrer umfangreichen Aktivitäten auch viel zu berichten.

„Die ÖMV ist profitabel, gut geführt und hat ein gutes internationales Profil“ schrieb die Financial Times kurz vor dem Börsengang im September 1987. Und sie sollte Recht behalten. In diesem Sinne freuen wir uns auf die nächsten 30 Jahre OMV Aktie.

Börsenradio: Interview mit OMV CFO Reinhard Florey

OMV 30 Jahre Börse – Highlights, Krisen, und die Frage, ob es damals als Ölkonzern einfacher war:
www.wienerborse.at/news/boersenradio/omv-30-jahre-boerse

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